Die Abschlussfeier wie die der Universität in Heidelberg sollte ein Symbol sein: für Bildung, Leistung und den Beginn eines neuen Lebensabschnitts. Doch immer häufiger werden akademische Bühnen genutzt, um politische Botschaften zu inszenieren. Statt der Urkunde stehen auf Fotos Palästina-Flaggen und Keffiyehs im Mittelpunkt.
Politische Meinungsfreiheit ist ein hohes Gut. Aber eine Gesellschaft muss sich eine entscheidende Frage stellen: Was passiert, wenn politische Weltbilder, die von pauschaler Ablehnung Israels oder antizionistischen Narrativen geprägt sind, in Berufe getragen werden, in denen Neutralität, Verantwortung und Gleichbehandlung unverzichtbar sind?
Denn die Absolventinnen und Absolventen von heute sind die Entscheidungsträger von morgen. Sie werden Ärztinnen und Ärzte, Ingenieurinnen und Ingenieure, Entwickler, Richterinnen, Lehrer, Politiker Wissenschaftler und Führungskräfte.
Die entscheidende Frage lautet: Wird dann ein Mensch weiterhin als Individuum betrachtet – oder zunehmend als Vertreter einer politischen, nationalen oder religiösen Gruppe?
Was bedeutet es, wenn jemand später in einer Position arbeitet, in der er über Forschungsgelder, medizinische Versorgung, technische Standards, politische Entscheidungen oder Dienstleistungen entscheidet und seine politische Überzeugung zum Maßstab macht?
Wem wird dann ein Produkt verweigert? Welcher Patient wird anders behandelt? Oder gar nicht? Welche Technologien werden ausgeschlossen?
Ein Medikament wird nicht dadurch weniger wirksam, weil jemand eine politische Meinung über Deutschland, Israel oder einen anderen Staat hat. Ein Herz-Stent rettet kein Leben aufgrund der Herkunft seines Entwicklers, sondern aufgrund wissenschaftlicher Qualität. Ein Flugzeug fliegt nicht sicherer, weil seine Bauteile politisch genehm sind, sondern weil Ingenieure nach höchsten Sicherheitsstandards arbeiten.
Unsere moderne Welt basiert auf internationaler Zusammenarbeit. Israelische Innovationen finden sich in Medizin, Cybersecurity, Landwirtschaft, Wassertechnologie und Hightech. Gleichzeitig nutzen Menschen weltweit Produkte, die in Deutschland, Europa, den USA oder Asien entwickelt wurden.
Eine Ideologie, die Produkte, Technologien oder wissenschaftliche Leistungen nach nationaler Herkunft bewertet, gefährdet genau diese Grundlage. Sie ersetzt Qualitätsprüfung durch politische Gesinnungsprüfung.
Das betrifft längst nicht nur Israel. Die Geschichte zeigt, dass Ausschlussmechanismen selten bei einer einzigen Gruppe stehen bleiben. Wenn die Idee akzeptiert wird, dass Herkunft, Identität oder politische Zuschreibung darüber entscheiden, ob jemand Zugang zu Dienstleistungen, Produkten oder beruflicher Unterstützung erhält, betrifft das irgendwann die gesamte Gesellschaft.
Heute richtet sich die Ausgrenzung vielleicht gegen israelische Unternehmen und Israelis. Morgen könnte sie andere Gruppen treffen.
Denn eine Gesellschaft funktioniert nur, wenn wir darauf vertrauen können, dass Kompetenz, Fakten und Menschlichkeit entscheiden – nicht Ideologie.