Manchmal braucht es keine Hollywood-Produktion mit $200 Millionen Budget. Manchmal reichen ein paar israelische Undercover-Agenten, ein bisschen Chaos und eine ziemlich gute Geschichte.

Willkommen „Fauda

Die israelische Erfolgsserie ist längst mehr als ein Geheimtipp für Serienfans. Seit dem Start der fünften Staffel am 8. September 2026 sorgt „Fauda“ wieder für ordentlich Bewegung in den Netflix-Charts. In Deutschland landete die Serie innerhalb weniger Tage in den Top 10, weltweit erreichte sie ebenfalls einen Spitzenplatz. Besonders bemerkenswert: Auch in Ländern, in denen man Israel politisch nicht unbedingt freundlich gegenübersteht, wird „Fauda“ kräftig gestreamt.

Und genau das macht die Geschichte interessant.

Aber worum geht es eigentlich?

Im Mittelpunkt steht Doron Kavillio, gespielt von Lior Raz. Doron ist ein ehemaliger israelischer Undercover-Agent, der eigentlich seinen Ruhestand genießen wollte. Eigentlich.

Denn natürlich kommt es anders.

Er wird wieder in eine Welt hineingezogen, in der niemand genau das ist, was er zu sein scheint: Agenten arbeiten undercover, Terroristen haben mehrere Identitäten, Informanten spielen ein doppeltes Spiel und aus einer scheinbar überschaubaren Operation kann innerhalb weniger Minuten ein komplettes Chaos entstehen.

Der Name ist dabei Programm. „Fauda“ bedeutet auf Arabisch „Chaos“.

Und Chaos gibt es reichlich.

Die Serie spielt auf beiden Seiten des israelisch-palästinensischen Konflikts und erzählt nicht einfach nur die Geschichte von „den Guten“ und „den Bösen“. Es geht um Loyalität, Familie, Angst, Rache, Freundschaft, Verrat und die Frage, was Menschen bereit sind zu tun, wenn sie glauben, ihre Familie oder ihr Land schützen zu müssen.

Netflix beschreibt die Serie als rauen israelischen Action-Thriller. Geschaffen wurde sie von Lior Raz und dem Journalisten und Nahost-Analysten Avi Issacharoff. Beide haben selbst militärische Erfahrungen und kennen die Welt, über die sie erzählen.

„Fauda“ ist nichts für nebenbei

Wer „Fauda“ einschaltet, sollte nicht unbedingt gleichzeitig die Steuererklärung machen. Die Serie ist schnell, brutal und emotional. Es wird Hebräisch gesprochen, Arabisch gesprochen, gelegentlich Englisch – und zwischendurch wird geschossen, verfolgt, observiert, entführt und undercover ermittelt.

Und genau diese Mischung scheint weltweit zu funktionieren. Bereits kurz nach dem Start der fünften Staffel tauchte „Fauda“ in Dutzenden nationalen Netflix-Charts auf. Besonders bemerkenswert ist der Erfolg in Ländern des Nahen Ostens: Die Serie schaffte es unter anderem in Israel, Libanon, Jordanien, den Vereinigten Arabischen Emiraten, Katar, Ägypten, Marokko, der Türkei und Oman in die Top 10.

In Israel stand die fünfte Staffel wenige Tage nach dem Start sogar auf Platz eins der Netflix-Serien. Auch in Deutschland ist das Phänomen sichtbar: Am 10. September lag „Fauda“ auf Platz fünf der Netflix-Seriencharts.

Und dann kam der 7. Oktober

Die fünfte Staffel ist allerdings nicht einfach eine weitere Runde des bekannten Spiels. Der 7. Oktober 2023 hat auch die Macher von „Fauda“ getroffen. Das ursprüngliche Drehbuch wurde nach dem Hamas-Massaker komplett überarbeitet. Die neue Staffel beschäftigt sich mit den Folgen des Angriffs, mit Verlust, Trauma und Rache. Doron selbst kämpft mit den psychischen Folgen der Ereignisse.

Damit ist „Fauda“ in der fünften Staffel noch näher an der israelischen Realität angekommen als zuvor.

Und das macht die Serie auch politisch interessant – ohne dass sie deshalb zu einem politischen Lehrfilm wird. Denn „Fauda“ will vor allem eines: eine spannende Geschichte erzählen.

Der vielleicht interessanteste Teil des Erfolgs

Man kann Israel politisch mögen oder nicht. Man kann die israelische Regierung kritisieren, den Nahostkonflikt aus völlig unterschiedlichen Perspektiven betrachten oder „Fauda“ für zu israelisch, zu brutal oder zu einseitig halten.

Aber eines lässt sich schwer wegdiskutieren: Die Zuschauer schauen trotzdem. Und zwar überall.

Das ist vielleicht die eigentliche Überraschung hinter dem Erfolg. Während in sozialen Netzwerken teilweise über Boykotte israelischer Kultur diskutiert wird, sitzt gleichzeitig ein internationales Millionenpublikum vor einer israelischen Serie und verfolgt gebannt, wie Doron Kavillio versucht, sein nächstes Desaster zu überleben.

Auch im Libanon.

Auch in Jordanien.

Auch in der Türkei.

Und auch in Deutschland.

Vielleicht ist das eine der interessanteren Seiten von Kultur: Man kann über Politik streiten, aber eine gute Geschichte kennt keine Grenze.

Oder, um es mit „Fauda“ zu sagen: Am Ende bleibt Chaos. Aber es ist spannend.