Eine neue Studie des Combat Antisemitism Movement (CAM) zeigt erschreckend deutlich, wie schnell sich antisemitische Verschwörungserzählungen im digitalen Raum verbreiten können.
Nur 72 Stunden nach dem Grenzvorfall in der spanischen Exklave Ceuta entstand auf dem Netzwerk X, Instagram und TikTok eine massive Kampagne, in der behauptet wurde, Israel stecke hinter der Migrationsbewegung – mit dem Ziel, Spanien zu „bestrafen“ und Europa zu destabilisieren.
Das Muster ist altbekannt: Ein komplexes politisches Ereignis wird nicht analysiert, sondern eine geheime jüdische oder israelische Macht als Drahtzieher konstruiert. Damit wird aus einer politischen Frage eine moderne Form der antisemitischen Verschwörungserzählung.
Die Zahlen der Studie sind alarmierend:
173 verstärkte Beiträge von 119 einflussreichen Accounts innerhalb von nur drei Tagen
57,5 Millionen direkte Aufrufe
eine geschätzte Reichweite von über 100 Millionen Menschen weltweit
rund 1,9 Millionen Likes und mehr als 300.000 Weiterverbreitungen
Besonders problematisch: Die Inhalte wurden vielfach nicht diskutiert oder hinterfragt, sondern massenhaft weiterverbreitet – als vermeintliche „Wahrheit“.
Antisemitismus zeigt sich nicht nur in offenen Angriffen auf Jüdinnen und Juden. Er zeigt sich auch dort, wo Israel zum allmächtigen Verursacher weltweiter Krisen erklärt wird, wo Juden kollektiv für politische Entscheidungen verantwortlich gemacht werden oder wo alte Verschwörungsmythen in neuen Gewändern zurückkehren.
Die digitale Welt beschleunigt die Verbreitung solcher Narrative. Umso wichtiger sind Aufklärung, Medienkompetenz und eine klare Haltung gegen jede Form von Antisemitismus.
Denn Verschwörungserzählungen gegen Israel und Juden sind keine harmlose Meinung – sie sind Teil einer jahrhundertealten Tradition der Ausgrenzung und Hetze.