Nach dem Terrorangriff der Hamas am 7. Oktober 2023 begann weltweit eine Kampagne „Bring them home now“ zur Befreiung der 251 Menschen, die von der Hamas und anderen Terrorgruppen gewaltsam nach Gaza verschleppt wurden. Diese Menschen – darunter Kinder, Frauen, ältere Menschen und Zivilisten – wurden bewusst als Druckmittel missbraucht, um die Freilassung palästinensischer Gefangener aus israelischen Gefängnissen zu erzwingen.
Kurz darauf entstand in Teilen der pro-palästinensischen Bewegung eine Gegenkampagne, in der auch verurteilte palästinensische Straftäter in israelischen Gefängnissen als „Geiseln“ bezeichnet wurden. Diese Gleichsetzung verdreht jedoch die Bedeutung des Begriffs und verwischt einen entscheidenden Unterschied.
Eine Geisel ist eine Person, die gegen ihren Willen festgehalten wird, um durch ihre Freilassung ein politisches, militärisches oder finanzielles Ziel zu erzwingen. Entscheidend ist: Eine Geisel wird nicht wegen einer nachgewiesenen Straftat festgehalten, sondern als unschuldiges Druckmittel missbraucht.
Die von Israel inhaftierten palästinensischen Gefangenen, die im Rahmen von Vereinbarungen freigelassen wurden oder werden, sind dagegen keine Geiseln. Viele von ihnen wurden von israelischen Gerichten wegen konkreter Straftaten verurteilt – darunter Terroranschläge, Gewaltverbrechen, Beteiligung an bewaffneten Organisationen oder Angriffe auf Zivilisten. Andere befanden sich in Sicherheitsverwahrung aufgrund von Ermittlungen und Sicherheitsbewertungen.
Ob man einzelne Urteile, Haftbedingungen oder das israelische Justizsystem politisch bewertet, ist eine andere Debatte. Aber die Begriffe müssen korrekt verwendet werden: Ein verurteilter Straftäter ist kein „Geisel“, nur weil seine Freilassung politisch gefordert wird.
Die Entführung von Zivilisten durch die Hamas war ein bewusster Bruch des internationalen Rechts. Die Geiseln wurden nicht festgehalten, weil sie etwas getan hatten – sie wurden festgehalten, weil sie als Menschenleben zum Erpressen benutzt wurden.
Wer die Begriffe vermischt, nimmt den tatsächlichen Geiseln ihr Schicksal und verharmlost den Missbrauch von Menschen als politische Waffen.