Wer an Neujahr denkt, hat vermutlich sofort den 31. Dezember vor Augen: Feuerwerk, Sekt, „Frohes neues Jahr!“ und der gute Vorsatz, diesmal wirklich mehr Sport zu machen.

Im Judentum läuft das etwas anders. Heute, am 1. Tischri, beginnt das jüdische Jahr 5787. „Rosh Hashana“ beginnt bereits mit Sonnenuntergang und dauert bis zum Abend des zweiten Tages. Und nein: Das liegt nicht daran, dass der jüdische Kalender unserem Kalender einfach ein paar Monate „hinterherhinkt“.

Der jüdische Kalender tickt anders

Der jüdische Kalender ist ein lunisolarer Kalender. Die Monate orientieren sich an den Mondphasen, gleichzeitig wird der Kalender regelmäßig an das Sonnenjahr angepasst. Deshalb wandern die jüdischen Feiertage im gregorianischen Kalender durch das Jahr. Rosh Hashana kann beispielsweise im September oder Oktober liegen.

Der Monat Tischri ist dabei ein ganz besonderer Monat. Mit seinem ersten Tag beginnt nach jüdischer Tradition das neue Jahr. Rosh Hashana bedeutet wörtlich „Kopf des Jahres“.

Rosh Hashana ist mehr als „Silvester auf Hebräisch“

Rosh Hashana ist nicht einfach eine jüdische Version unserer Silvesterparty. Es ist ein Tag der Besinnung, des Gebets und der Selbstprüfung. Die Menschen blicken auf das vergangene Jahr zurück und fragen sich: Was habe ich gut gemacht? Wo habe ich Fehler gemacht? Wem habe ich Unrecht getan? Was möchte ich verändern? Dazu gehört der berühmte Schofar, das Blasinstrument aus einem Widderhorn. Sein Klang soll aufrütteln und zur Besinnung rufen.

Auf Rosh Hashana folgen die zehn ehrfurchtsvollen Tage, die mit Jom Kippur, dem Versöhnungstag, enden.

Und natürlich darf das Süße nicht fehlen

Ganz ohne gutes Essen geht es natürlich auch an Rosh Hashana nicht..Traditionell gibt es unter anderem Äpfel mit Honig – als Symbol für den Wunsch nach einem süßen und guten neuen Jahr. Auch der Granatapfel gehört vielerorts zum Fest.

Und damit wären wir bei einer interessanten deutschen Neujahrstradition: „Guten Rutsch!“

Hat der „Gute Rutsch“ etwas mit dem Judentum zu tun?

Man hört häufig die Erklärung, „Guten Rutsch“ stamme vom jiddischen Neiäujahrsgruss „A gutn Rosch“. Das würde natürlich wunderbar zu Rosh Hashana passen. Eine andere Erklärung führt „Rutsch“ auf ältere deutsche beziehungsweise rotwelsche Ausdrücke für Reise oder Weg zurück: Man wünschte jemandem sinngemäß eine gute Reise ins neue Jahr.

Was auch immer die tatsächliche Herkunft ist: Der Gedanke passt erstaunlich gut zu Rosh Hashana. Denn auch hier geht es um den Übergang in ein neues Jahr – allerdings nicht mit Feuerwerk und Sekt, sondern mit Schofar, Gebet, Familie, festlichem Essen und der Aufforderung zur persönlichen Umkehr.

Zwei Kalender, zwei Traditionen, zwei Arten, Zeit zu verstehen.

Und vielleicht ist genau das eine schöne Erinnerung daran, dass ein Jahreswechsel nicht überall auf der Welt gleich aussieht.

Die Deutsch-Israelische Gesellschaft Rhein-Neckar, Mannheim wünscht allen Jüdinnen und Juden ein herzliches Schana Towa uMetuka – ein gutes und süßes neues Jahr 5787!

Möge es ein Jahr des Friedens, der Sicherheit und der Zuversicht sein.

שנה טובה ומתוקה

Bild: Neujahrsbeleuchtung Frankfurt/Römer, 11.9.2026