Tief unter dem historischen Beaufort-Höhenzug im Süden des Libanon erstreckte sich über Jahre hinweg eine unterirdische Welt: ein von der Hisbollah errichtetes Tunnelsystem, das nach Angaben der Israelischen Verteidigungsstreitkräfte (IDF) als Kommando- und Operationszentrum für Angriffe auf Israel genutzt wurde. Neue Aufnahmen geben Einblicke in die Anlagen, die die IDF bei einer nächtlichen Operation zerstört hat.

Was im IDF Video zu sehen ist, ist kein improvisierter Schutzraum, sondern eine militärische Infrastruktur mit strategischer Bedeutung: lange Tunnelgänge, befestigte Räume und Einrichtungen zur Koordination von Kampfhandlungen. Nach Angaben der IDF diente das Netzwerk dazu, Operationen der Hisbollah im Südlibanon zu steuern, Raketen- und Angriffseinheiten zu koordinieren und Angriffe auf israelische Gemeinden im Norden sowie auf israelische Soldaten vorzubereiten.

Hisbollahs Krieg unter der Erde

Der Ausbau von Tunnelsystemen ist seit Jahren ein zentraler Bestandteil der militärischen Strategie der Hisbollah. Ähnlich wie die Hamas im Gazastreifen nutzt auch die vom Iran unterstützte libanesische Organisation unterirdische Anlagen, um Kämpfer, Waffen und Kommandoeinrichtungen vor Luftangriffen zu schützen und überraschende Angriffe vorzubereiten.

Der Süden des Libanon, insbesondere die Region entlang der Grenze zu Israel, wurde nach dem Rückzug der israelischen Armee im Jahr 2000 zunehmend zu einer militärischen Zone der Hisbollah. Trotz der UN-Resolution 1701, die nach dem Krieg von 2006 eine Entmilitarisierung des Gebietes südlich des Litani-Flusses vorsieht, baute die Organisation dort ihre militärische Präsenz weiter aus.

Die Tunnel unter dem Beaufort-Gebiet zeigen erneut, dass die Hisbollah nicht nur als politische Partei im Libanon agiert, sondern über eine hochgerüstete Armee verfügt – mit Raketenarsenalen, Eliteeinheiten und komplexen Befehlsstrukturen.

Beaufort: Ein symbolträchtiger Ort

Der Beaufort-Höhenzug ist nicht nur militärisch bedeutsam, sondern auch historisch aufgeladen. Die mittelalterliche Kreuzfahrerburg Beaufort thront seit Jahrhunderten über dem Gebiet und bietet einen strategischen Blick über den Süden des Libanon bis nach Israel.

Gerade diese strategische Lage machte die Region immer wieder zum Schauplatz von Kämpfen. Dass die Hisbollah ausgerechnet unter diesem Höhenzug eine Kommandoinfrastruktur errichtete, unterstreicht die Bedeutung des Gebietes für ihre militärischen Planungen.

Zwischen Schutzschild und Kriegsführung

Die Hisbollah präsentiert ihre militärischen Strukturen häufig als Teil einer „Widerstandsbewegung“. Kritiker werfen ihr jedoch vor, zivile Gebiete im Libanon für militärische Zwecke zu nutzen und damit die eigene Bevölkerung in Gefahr zu bringen.

Israel argumentiert, dass die Zerstörung solcher Anlagen notwendig sei, um Angriffe auf israelische Zivilisten zu verhindern. Die IDF betont, dass ihre Operationen darauf abzielen, die militärischen Fähigkeiten der Hisbollah zu schwächen und eine Wiederholung von Angriffen wie denen des 7. Oktober 2023 durch die Hamas in Israel zu verhindern.

Eine Warnung für die Region

Die Bilder aus dem Beaufort-Tunnelsystem sind mehr als ein Blick in eine unterirdische Anlage. Sie zeigen den Umfang der militärischen Infrastruktur, die sich über Jahre hinweg unbeobachtet entwickeln konnte.

Für Israel sind diese Tunnel ein Symbol für eine permanente Bedrohung aus dem Norden. Für den Libanon sind sie ein weiteres Zeichen dafür, wie stark die Hisbollah den Staat in Sicherheitsfragen überlagert.

Der Kampf um den Süden des Libanon wird daher nicht nur oberirdisch geführt – sondern auch tief unter der Erde.

Video: IDF