An alle, die Israel scharf kritisieren, das Land verurteilen oder glauben, bereits genau zu wissen, wie „die Israelis“ denken und leben:

Fahrt doch einfach einmal selbst nach Israel.

Nicht als politische Delegation. Nicht nur nach Ramallah oder auf eine organisierte Reise mit einer vorgegebenen Perspektive. Sondern als ganz normale Reisende.

Geht nach Tel Aviv. Nach Jerusalem. Haifa. Akko. Be’er Sheva. Besucht einen Kibbuz. Fahrt ans Tote Meer. Geht auf einen Markt. Setzt euch in ein Café. Sprecht mit jüdischen Israelis, arabischen Israelis, Beduinen, Drusen, säkularen Menschen und Religiösen. Sprecht mit Menschen, die links wählen – und mit Menschen, die rechts wählen. Fragt sie, was sie beschäftigt, wovor sie Angst haben, was sie sich wünschen und wie sie ihr Land sehen.

Und dann bildet euch euer Urteil.

Eine Reise nach Israel ist heute keine unüberwindbare Hürde. Man kann ins Reisebüro gehen und eine Reise buchen – oder sich Flug, Hotel und Mietwagen online selbst zusammenstellen. Wer zum ersten Mal fährt, kann beispielsweise einige Tage Tel Aviv mit Jerusalem verbinden und anschließend Richtung Norden oder Süden weiterreisen.

Ein paar Tipps:

• Nicht nur Sehenswürdigkeiten anschauen – mit Menschen reden.

• Öffentliche Verkehrsmittel benutzen und den Alltag erleben.

• Einen Schabbat erleben – und einmal bewusst einen ganz normalen Werktag.

• Einen arabisch geprägten Ort besuchen und mit den Menschen dort sprechen.

• Einen Markt besuchen, statt nur touristische Restaurants aufzusuchen.

• Museen und Gedenkstätten besuchen – aber auch das moderne Israel kennenlernen.

• Nachrichten und soziale Medien einmal für ein paar Tage beiseitelegen und selbst beobachten.

• Nicht erwarten, dass alle Israelis dieselbe Meinung haben. Gerade das ist Teil der Erfahrung.

Und vor allem: Fahrt nicht hin, um eure bereits feststehende Meinung bestätigt zu bekommen.

Fahrt hin, um Fragen zu stellen.

Israel ist kein perfektes Land. Es gibt politische Entscheidungen, die man kritisieren kann und soll. Es gibt gesellschaftliche Konflikte, Ungerechtigkeiten und Menschen, deren Politik man ablehnen kann. Auch wir sehen beispielsweise die Politik Benjamin Netanyahus kritisch.

Aber ein Land mit Millionen Menschen auf Schlagzeilen, Social-Media-Videos und politischen Slogans zu reduzieren, ist keine ernsthafte Auseinandersetzung.

Wer Israel beurteilen will, sollte Israel zumindest einmal selbst erlebt haben.

Denn zwischen dem Israel, über das viele reden, und dem Israel, in dem Menschen jeden Morgen zur Arbeit fahren, ihre Kinder zur Schule bringen, einkaufen, feiern, streiten, lieben, trauern und einfach leben, liegt manchmal eine erstaunlich große Distanz.

Also: Koffer packen. Hinfliegen. Zuhören. Schauen. Fragen stellen. Und dann urteilen.

Vielleicht ändert sich eure Meinung.

Vielleicht auch nicht.

Aber dann ist es wenigstens eure eigene Erfahrung