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Ein Auto, das erkennt, wenn ein Fußgänger plötzlich die Straße überquert. Ein Fahrzeug, das vor einer drohenden Kollision warnt oder automatisch bremst. Ein Wagen, der die Fahrspur überwacht und den Fahrer unterstützt, wenn er unaufmerksam wird. Was heute in vielen modernen Fahrzeugen selbstverständlich erscheint, begann mit der Vision eines israelischen Wissenschaftlers: Kann ein Auto lernen zu sehen und seine Umgebung ähnlich wie ein Mensch wahrzunehmen?

Die Antwort lautet: Ja. Die Technologie dahinter heißt Mobileye – und sie gehört zu den beeindruckendsten Erfolgsgeschichten der israelischen Hightech-Branche. Aus einer Forschungsarbeit an der The Hebrew University of Jerusalem entstand ein Unternehmen, dessen Technologie heute in Millionen Fahrzeugen weltweit verbaut ist.

Die Geschichte von Mobileye begann im Jahr 1999. Der israelische Informatiker und Professor Amnon Shashua entwickelte damals an der Hebräischen Universität Jerusalem Verfahren aus dem Bereich Computer Vision – also der Fähigkeit von Computern, Bilder zu analysieren und daraus Informationen über die reale Welt abzuleiten. Seine Idee war für die damalige Zeit geradezu revolutionär: Statt auf eine Vielzahl teurer Sensoren zu setzen, wollte er mit einer einzigen Kamera und intelligenter Software einem Fahrzeug ermöglichen, seine Umgebung zu verstehen.

Gemeinsam mit dem Unternehmer Ziv Aviram gründete Shashua Mobileye. Während Shashua die technologische Entwicklung und Forschung vorantrieb, kümmerte sich Aviram um den Aufbau des Unternehmens und die Verbindung zur Automobilindustrie. Der Weg war zunächst schwierig, denn die Automobilbranche ist eine der anspruchsvollsten Industrien der Welt. Jede neue Sicherheitstechnologie muss extrem zuverlässig funktionieren und jahrelange Tests bestehen. Doch Mobileye überzeugte schließlich große Fahrzeughersteller.

Der internationale Durchbruch kam mit der Entwicklung des EyeQ-Chips. Während klassische Computer für die riesigen Datenmengen von Kameras nicht geeignet waren, entwickelte Mobileye einen eigenen Spezialchip, der genau für diese Aufgabe optimiert wurde. Dieser Chip verarbeitet die Bilder der Fahrzeugkameras in Echtzeit und erkennt Objekte, Bewegungen und Gefahrensituationen. Die erste Generation des EyeQ-Chips wurde Anfang der 2000er Jahre entwickelt und bildete die Grundlage für die spätere weltweite Verbreitung der Technologie.

Die Funktionsweise von Mobileye klingt einfach, ist technisch aber äußerst komplex. Eine Kamera hinter der Windschutzscheibe beobachtet kontinuierlich die Straße. Die künstliche Intelligenz analysiert jedes Bild und erkennt beispielsweise andere Fahrzeuge, Fußgänger, Fahrräder, Verkehrsschilder oder Fahrbahnmarkierungen. Gleichzeitig berechnet das System Entfernungen, Geschwindigkeiten und mögliche Risiken.

Wenn ein Fahrzeug beispielsweise auf ein Hindernis zufährt und der Fahrer nicht rechtzeitig reagiert, kann Mobileye eine Warnung ausgeben oder – abhängig von der Fahrzeugausstattung – eine automatische Notbremsung auslösen. Ebenso kann die Technologie helfen, das Fahrzeug in der Spur zu halten oder den Sicherheitsabstand zu kontrollieren.

Der entscheidende Unterschied zu einfachen Kamerasystemen liegt darin, dass Mobileye nicht nur Bilder aufnimmt, sondern sie interpretiert. Die Software versucht, die Verkehrssituation zu verstehen: Was ist ein Mensch? Was ist ein Fahrzeug? Welche Bewegung ist normal und welche könnte gefährlich werden? Genau diese Fähigkeit, aus visuellen Informationen Entscheidungen abzuleiten, ist ein Kernbereich moderner künstlicher Intelligenz.

Mobileye entwickelte sich vom Hersteller einzelner Assistenzsysteme zu einem der weltweit führenden Unternehmen für autonomes Fahren. Neben Fahrerassistenzsystemen arbeitet das Unternehmen an Technologien für hochautomatisiertes und autonomes Fahren. Dazu gehören unter anderem digitale Karten, die durch Millionen von Fahrzeugen mit Mobileye-Technologie ständig verbessert werden. Dieses sogenannte Road Experience Management (REM) ermöglicht hochpräzise Karteninformationen, die für zukünftige autonome Fahrzeuge von großer Bedeutung sind.

Der wirtschaftliche Erfolg von Mobileye war außergewöhnlich. Im Jahr 2014 ging das Unternehmen an die New Yorker Börse und wurde damals zum größten israelischen Börsengang. 2017 übernahm der US-Technologiekonzern Intel Mobileye für rund 15,3 Milliarden US-Dollar – eine der größten Übernahmen eines israelischen Technologieunternehmens überhaupt. 2022 kehrte Mobileye wieder als eigenständiges börsennotiertes Unternehmen an die Börse zurück, während Intel weiterhin Mehrheitseigentümer blieb.

Heute steckt die israelische Technologie in Fahrzeugen zahlreicher internationaler Hersteller. Mobileye-Systeme werden unter anderem in Fahrzeugen von BMW, Volkswagen, Audi, Ford Motor Company, General Motors, Volvo Group, Nissan, Peugeot und vielen weiteren Herstellern eingesetzt. Nach Angaben des Unternehmens wurden bereits mehr als 230 Millionen Fahrzeuge weltweit mit Mobileye-EyeQ-Technologie ausgestattet.

Viele Autofahrer wissen dabei gar nicht, dass im Hintergrund israelische Technologie arbeitet. Die kleine Kamera an der Windschutzscheibe und der unscheinbare Computerchip leisten täglich einen Beitrag zur Verkehrssicherheit – auf Straßen in Europa, Nordamerika und Asien.

Die Geschichte von Mobileye zeigt eindrucksvoll, wie aus wissenschaftlicher Forschung eine weltverändernde Innovation entstehen kann. Ein Professor aus Jerusalem hatte eine Idee, die viele zunächst für unrealistisch hielten: Autos das Sehen beizubringen. Heute hilft diese Idee dabei, Unfälle zu vermeiden, Menschenleben zu schützen und die Zukunft der Mobilität zu gestalten.

Mobileye ist damit mehr als ein erfolgreiches Unternehmen. Es ist ein Beispiel für die besondere Verbindung von israelischer Forschung, Unternehmergeist und technologischem Pioniergeist.

Genial – eine israelische Erfindung, die Autofahren sicherer macht.