Ende September 2026 war die Deutsch-Israelische Gesellschaft Rhein-Neckar, Mannheim in Weinheim bei einem außergewöhnlichen Gespräch mit Dr. Ahmed Albaba zu Gast. Eingeladen hatten der Verein Ehemalige Synagoge Hemsbach e.V. und der Freundeskreis Weinheim–Ramat Gan e.V.
Albaba, ehemaliges Mitglied der PFLP, der im Westjordanland aufgewachsen ist und später in Deutschland promovierte, sprach offen darüber, wie sich sein eigener Blick auf die palästinensische Gesellschaft und den Nahostkonflikt durch seine wissenschaftliche Arbeit und die Auseinandersetzung mit seiner eigenen Biografie verändert hat.
Besonders deutlich unterschied er zwischen einem „Entwicklungsprojekt“, bei dem es um ein normales Leben, Bildung, wirtschaftliche Entwicklung und gesellschaftlichen Fortschritt geht, und einem sogenannten „Widerstandsprojekt“, das seiner Ansicht nach auf einer Hassideologie beruht und die Demokratisierung und Modernisierung der palästinensischen Gesellschaft behindert.
Dabei scheute Albaba auch vor unbequemen Aussagen nicht zurück. Das sogenannte Widerstandsprojekt sei in seiner Wahrnehmung letztlich ein „Terrorprojekt“, dessen Ideologie die palästinensische Gesellschaft von ihren tatsächlichen Problemen ablenke. Statt sich mit wirtschaftlichen Problemen auseinanderzusetzen, werde immer wieder ein Feindbild geschaffen.
Besonders eindringlich war seine Forderung, dass Palästinenser den geschichtlich und islamisch geprägten Antisemitismus aufarbeiten müssen. Hass auf Israel und Juden sei tief verankert und könne Menschen für Terror mobilisieren. Deshalb müsse daran gearbeitet werden, dass dieser Hass verschwinde.
Hier sah er Europa gefordert. Man dürfe nicht länger die Augen vor den strukturell verankerten Terrorideologien verschließen und glauben, genug Hilfsgelder und eine Politik der nicht-Einmischung würde langfristig Frieden bringen und zu einer Zwei-Staaten-Lösung führen, die Palästinenser vor Ort ablehnen.
Auch Israel sah er in der Kritik. Die Regierung müsse mehr Verantwortung übernehmen, wenn es um die Zerschlagung von Terrornetzwerken geht. Der Glaube, Palästinenser würden sich alleine von der Unterdrückung der Hamas oder der autoritären PLO Ideologie befreien können, wäre utopisch.
Eine Aussage blieb dabei besonders hängen: „Wenn dieser Hass auf Juden weggeht, dann gäbe es eine Chance auf Frieden.“
Für die DIG Rhein-Neckar ist genau dieser offene und selbstkritische Blick wichtig. Wer über den Nahostkonflikt sprechen will, darf nicht nur über die jeweils anderen reden. Es braucht auch die Bereitschaft, die eigenen gesellschaftlichen Strukturen, Ideologien und Narrative kritisch zu hinterfragen.
Wir danken dem Verein Ehemalige Synagoge Hemsbach e.V. und dem Freundeskreis Weinheim–Ramat Gan e.V. für die Organisation dieses Abends und Dr. Ahmed Albaba für seine offenen und teilweise ausgesprochen unbequemen Worte.
Der Abend hat gezeigt: Dialog bedeutet nicht, dass alle derselben Meinung sein müssen. Dialog bedeutet, auch Stimmen auszuhalten, die den eigenen Blick auf einen Konflikt herausfordern.