Mit Alexander Graf Lambsdorff hat Deutschland einen der erfahrensten Diplomaten des Auswärtigen Dienstes als neuen Botschafter nach Israel entsandt. Der frühere FDP-Bundestagsabgeordnete und zuletzt deutsche Botschafter in Moskau trat Ende Juli 2026 die Nachfolge von Steffen Seibert in Tel Aviv an. Bereits in seinen ersten öffentlichen Erklärungen machte Lambsdorff deutlich, dass er die außergewöhnlichen Beziehungen zwischen Deutschland und Israel weiter vertiefen möchte.
Ein Diplomat für schwierige Zeiten
Die Entscheidung für Lambsdorff kommt nicht zufällig. Kaum ein deutscher Spitzenbeamter verfügt über vergleichbare außenpolitische Erfahrung. Der 59-Jährige war viele Jahre außenpolitischer Sprecher der FDP, Vizepräsident des Europäischen Parlaments und anschließend deutscher Botschafter in Russland. Dort vertrat er Deutschland während einer der schwierigsten Phasen der deutsch-russischen Beziehungen nach dem Angriffskrieg gegen die Ukraine.
Mit seiner Erfahrung in Krisendiplomatie, Sicherheitsfragen und internationalen Verhandlungen gilt er als geeignete Besetzung für einen der anspruchsvollsten Botschafterposten Deutschlands. Israel befindet sich weiterhin in einer sicherheitspolitisch angespannten Lage, während gleichzeitig die Beziehungen zwischen Europa und dem jüdischen Staat vor großen Herausforderungen stehen.
Klare Botschaft zum Amtsantritt
In seiner ersten Videobotschaft nach seiner Ankunft in Israel bezeichnete Lambsdorff die deutsch-israelischen Beziehungen als „wunderbar und außergewöhnlich“. Sie seien zwar auf einer schmerzhaften Geschichte gegründet, befänden sich heute aber auf einem beispiellosen Niveau der Zusammenarbeit.
Seine Aufgabe sehe er darin, diese Partnerschaft weiter auszubauen und einen Beitrag zu einer positiven Entwicklung der Region zu leisten. Gleichzeitig betonte er, dass er Israel zunächst kennenlernen wolle und sich auf den Austausch mit den Menschen im Land freue.
Der erste Weg führt nach Yad Vashem
Besonders symbolträchtig war seine erste offizielle Amtshandlung. Noch vor zahlreichen politischen Gesprächen besuchte Alexander Graf Lambsdorff die Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem: World Holocaust Center, Jerusalem.
Damit setzte er ein bewusstes Zeichen: Die Erinnerung an die Schoah bleibt das moralische Fundament der Beziehungen zwischen Deutschland und Israel. Für deutsche Botschafter besitzt dieser Besuch seit Jahrzehnten eine besondere Bedeutung. Bereits 1965 besuchte der erste deutsche Botschafter in Israel, Rolf Pauls, unmittelbar nach seiner Ankunft Yad Vashem. Auch Steffen Seibert begann 2022 seine Amtszeit mit einem Besuch der Gedenkstätte. Diese Tradition unterstreicht die historische Verantwortung Deutschlands gegenüber dem jüdischen Volk.
Gerade in einer Zeit, in der Antisemitismus weltweit wieder zunimmt und Israel seit dem Terrorangriff der Hamas vom 7. Oktober 2023 weiterhin mit massiven sicherheitspolitischen Herausforderungen konfrontiert ist, erhält dieser erste Besuch eine besondere Symbolkraft. Er macht deutlich, dass die Erinnerung an die Verbrechen des Nationalsozialismus und das Eintreten gegen Antisemitismus weiterhin zu den Grundpfeilern deutscher Außenpolitik gehören.
Kontinuität und neue Impulse
Alexander Graf Lambsdorff übernimmt sein Amt in einer Phase, in der die deutsch-israelischen Beziehungen sowohl historisch eng als auch politisch anspruchsvoll sind. Sicherheitskooperation, Wissenschaft, Wirtschaft und kultureller Austausch sind heute so intensiv wie nie zuvor. Gleichzeitig verlangen die Entwicklungen im Nahen Osten diplomatisches Geschick und Vertrauen.
Mit seiner internationalen Erfahrung, seiner politischen Vernetzung und seiner langjährigen Beschäftigung mit Außen- und Sicherheitspolitik bringt Lambsdorff beste Voraussetzungen mit, diese besondere Partnerschaft weiterzuführen. Sein erster Besuch in Yad Vashem war dabei weit mehr als ein diplomatisches Ritual – er war ein sichtbares Bekenntnis zur historischen Verantwortung Deutschlands und zur Zukunft der deutsch-israelischen Freundschaft.